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Reflexion
12. Mai 2026

Die KI klingt nach mir. Bewusst.

Nun spricht eine KI-Stimme im Auftrag der FAZ, die nach mir klingt. Warum ich das selbst entschieden habe — und was beim ersten Hören doch eigenartig war.

Die KI klingt nach mir. Bewusst.

Vorigen Herbst hat die FAZ ihren ersten KI-Podcast gestartet. Erstmal nur regional. Ein Podcast, in dem KI-Stimme und Mensch parallel arbeiten — gesprochen mit meiner Stimme als Vorlage. Was damals ein Experiment war, ist heute Routine. Und jetzt ein Schritt weiter: Ab sofort liest die KI-Stimme nicht mehr nur den Rhein-Main-Podcast vor, sondern sehr sehr viele Artikel auf faz.net.

Die Stimme bin nicht ich. Sie klingt nach mir.

Den Unterschied muss ich oft erklären, deshalb kurz: Eine KI-Stimme ist eine synthetische Stimme, die mit meinen Aufnahmen trainiert wurde. Sie liest neue Texte vor, ohne dass ich sie je gesprochen hätte. Tonfall, Färbung, Atempausen — alles errechnet. Das funktioniert mittlerweile so gut, dass die meisten Hörer nicht mehr merken, wann ich am Mikrofon war und wann die KI.

Warum ich das mache?

Zwei Gründe. Erstens: Die Technik kommt sowieso. Wer sie nicht aktiv mitgestaltet, lässt sie passieren — und überlässt die Entscheidungen anderen. Zweitens: Wenn meine Stimme geklont werden kann, ist mir lieber, das passiert in einem Setting, in dem ich weiß, wer was wie verwendet, und unter welchen Bedingungen. Mit der FAZ habe ich klare Verträge. Was an anderen Stellen im Netz mit Stimmen-Klonen passiert, kontrolliert niemand.

Beim ersten Hören ist es trotzdem eigenartig.

Du hörst dich selbst — aber du weißt, du warst es nicht. Es ist ein Artikel, den du nie gelesen hast, gesprochen in einer Tonalität, die deine ist. Die Pause an der falschen Stelle. Der kleine Schliff am Satzende, den du sonst auch machst. Wer das einmal erlebt hat, versteht besser, wie dünn die Linie zwischen „Werkzeug" und „Identität" werden kann.

Spooky? Ein bisschen.

Aber wenn ich es nicht selbst tue, tut es jemand anders. Und der hat dann keine Verträge mit mir.